Seminartagebuch

Seminare Team-Balance & Unterordung Teil 1 mit Prof. Lind

24.-26.10.2003

Donnerstag

Die ersten Teilnehmer sowie Prof. Lind reisten am Donnerstag gegen Abend an. Auf Grund des Verkehrs konnten nicht alle zur vereinbarten Zeit da sein, aber schließlich ging doch niemand verloren.

Um uns allen den Einstieg ein wenig leichter zu gestalten, gingen wir gemeinsam essen, so dass man sich schon mal vorsichtig beschnuppern konnte und wusste, mit wem man die nächsten Tage verbringen sollte.

Freitag

Am Freitagmorgen war es dann so weit, wir trafen uns gegen halb neun auf dem Platz. Erst einmal haben wir alle reichlich und gut gefrühstückt, so dass wir gestärkt beginnen konnten.

Das erste Seminar war von 15 Teilnehmern belegt worden, von denen neun aus dem eigenen Verein stammten. Gerade unsere Ausbilder waren in großer Zahl vertreten. Leider schafften es einige nicht zu kommen, obwohl sie zugesagt hatten.

Wir begannen mit Theorie, um uns einzustimmen und bekamen viele Videos zu sehen, damit wir uns alles besser vorstellen konnten. Dann ging es das erste Mal raus auf den Platz - ohne Hunde. Alle Übungen wurden genauestens erklärt und dann von allen solange geübt, bis wir soweit waren, es mit den Hunden auszuprobieren.

Nach der Mittagspause ging es gleich wieder mit den Hunden weiter. Dann fand noch eine Fragestunde statt, in der noch einmal alles genau erläutert wurde, was bis dahin unklar geblieben war.

Abends gingen wir dann wieder gemeinsam essen. Und natürlich wurde auch hier wieder viel über die Hunde gesprochen und weiter versucht, das ein oder andere Problem eventuell zu lösen.

Samstag

Am Samstag haben wir gleich wieder auf dem Platz begonnen, wobei alle neuen Übungen erst wieder ohne die Hunde versucht wurden, um sie dann umzusetzen. Gegen Mittag war das erste Seminar dann leider auch schon vorbei, was von allen als eindeutig zu kurz empfunden wurde.

Kaum jemand hätte vorher gedacht, dass allein das Spiel mit dem Hund ein so komplexes Thema sein kann, bei dem es vieles zu beachten gilt. Wobei wirklich alle Teilnehmer von Lind gelobt wurden, da nicht ein Hund dabei war, der nicht schon zu spielen gelernt hatte. So ging es wirklich nur darum zu erkennen, wann man wie spielen sollte und wie es für den Hund noch lustvoller gestaltet werden kann.

Nach der Mittagspause begann dann das zweite Seminar, welches ebenfalls von 15 Teilnehmern belegt war, aber die Konstellation war eine andere. Nun sollte es eher in die sportliche Richtung gehen. Es kamen die Grundhaltungen ins Spiel. Und genauso ist es auch zu verstehen. Wir lernten, wie man in einem Spiel seinem Hund - quasi aus Versehen - die Kommandos "Sitz", "Platz", "Steh" und "Fuß" beibringen kann.

Natürlich wurde gerade in diesem Bereich wieder zu erst ohne die Hunde geübt, damit wir ihnen nichts Falsches beibringen konnten. Dann wurden aber auch all diese Dinge mit den Hunden umgesetzt. Und siehe da - es klappte.

Viele Hunde, die einige Kommandos vorher gar nicht kannten, führten diese so exakt aus, als hätten sie nie etwas anderes gemacht.

Gegen Abend, als das Tageslicht uns verließ, gingen wir wieder rein und widmeten uns der Theorie. Ekard Lind begann bei den alten Griechen in der Stadt Olympia, um uns den Wert der Qualität einer einzelnen Übung anhand des olympischen Gedankens zu verdeutlichen.

Wie sollte es anders sein, auch an diesem Abend hieß es wieder, gemeinsam essen zu gehen. Wir hatten bei Enzo einen Tisch bestellt und uns eine Lasagne gewünscht. Da man sich langsam besser kannte, wurden diese Abende immer lustiger und die Gespräche immer persönlicher. Es passierte zuweilen sogar, dass mal eine halbe Stunde das Wort "Hund" nicht fiel.

Sonntag

Am Sonntag ging es dann wie immer mit einem gemeinsamen Frühstück los und dann sofort wieder auf den Platz. Wobei Petrus uns an diesem Tag das erste Mal ein wenig im Stich lies und das Wetter nicht so trocken war, wie wir es uns gewünscht hätten.

Aber wie man es von "Hundeleuten" kennt, hat es niemanden gestört und die Arbeitsweise nicht beeinträchtigt. Bis zum Mittagessen wurde nun angestrengt gearbeitet. Jeder kannte mittlerweile seine Schwächen und die des anderen. Alle fieberten mit und freuten sich mit dem anderen, wenn eine Übung gut gelang.

Bilanz der zwei Seminare

Dann wurden noch die Urkunden verteilt, Ekard Lind bedankte sich bei uns allen und auch wir als Veranstalter haben uns das Wort nicht nehmen lassen. Es war wirklich eine sehr schöne Veranstaltung, bei der sich jeder, so gut er konnte, eingebracht hat.

An diese Stelle möchten wir Simone danken, die sich hauptverantwortlich für das Essen gezeigt hat und uns immer lecker bekocht hat. Hoffentlich ist sie sich nicht im Klaren darüber, dass sie das jetzt wohl öfter tun muss :-)

So endeten die Seminare und jeder war sehr traurig darüber, aber wir konnten uns mit dem Gedanken trösten, dass ja jetzt die Trainingstage folgen sollten.

Es war dann der erste Abend gekommen, an dem wir uns also entschlossen mal nicht gemeinsam essen zu gehen, was darin endete, dass man sich doch traf und essen ging :-) Es waren wirklich die Wenigsten, die sich dabei tatsächlich mal auf ihre Familien besannen.

Montag und Dienstag

An den Trainingstagen nahmen immerhin noch neun Leute teil. Bei den anderen war es leider wegen der Arbeit nicht möglich.

Die Trainingstage haben wir auf zwei verkürzt, um dann zweimal täglich zu arbeiten. Es wurden alle Inhalte noch einmal wiederholt und bei jedem noch mal die Schwachstellen genauer unter die Lupe genommen.

Als Fazit lässt sich auf jeden Fall sagen, dass wir vieles, was wir bereits wussten, nun besser verstehen und doch auch jeder etwas dazu gelernt hat. Die Trainingstage waren sehr persönlich, da sich die Zeit genommen wurde, dass wirklich jeder die Übungen mit seinem Hund beherrschte.

Abschied

So haben wir uns dann am Dienstagnachmittag getrennt und alle haben die mehr oder weniger weiten Heimwege angetreten. Es haben sich tolle Freundschaften entwickeln können. Wir haben eine Teilnehmerliste erstellt, so dass jeder die Adresse der anderen hat und man sich auch weiterhin im Auge behalten kann.

Wir haben bereits an diesem Tage beschlossen, dass diese Seminare nicht eine einmalige Sache sein sollen, sondern dass wir auch nächstes Jahr Ekard Lind bei uns im Verein gern wieder sehen würden. Er hat sich sehr über die Einladung gefreut und auch ein Termin wurde schon mal ins Auge gefasst. Doch dazu dann mehr, wenn es spruchreif ist...

Danke an Julia für den Bericht! Fotos waren leider nicht zugelassen.

Hintergrundinformationen zu Prof. Ekard Lind

Prof. Ekard Lind ist einer der bedeutendsten deutschsprachigen Tierpädagogen (Schwerpunkt Hundeausbildung). Ursprünglich Hochschulprofessor für Musik (zahlreiche Editionen, Bücher, Kompositionen, wissensch. Arbeiten, Lehrwerke) an der Hochschule für Musik "Mozarteum" Salzburg, hat Lind vor zirka zehn Jahren infolge eines schweren Handunfalls seinen Beruf aufgeben müssen. Sein Hobby - Hundeausbildung - wurde zum neuen Beruf.

Sein erstes Buch "Richtig Spielen mit Hunden" wurde ein Fachbuchbesteller und gilt nach Meinung namhafter Ethologen als Wegbereiter einer neuen, gewaltfreien, auf Spiel und Motivation aufbauenden Ausbildungsweise. Das gleichlautende Video wird heute noch in zahlreichen Vereinen im deutschsprachigen Raum als Einstieg zu den alljährlichen Herbstkursen gezeigt.

Die großen Dachorganisationen in Deutschland (VDH), der Schweiz (TKGS) und Österreich (SVÖ) empfehlen Linds Lehrwerke. Seine Bücher sind inzwischen in fünf weiteren Sprachen herausgekommen. An die hundert Seminartage pro Jahr bekunden das große Interesse, welches dem österreichischen Autor entgegengebracht wird.